Das "Scheeserenne®" - ein Stück SVW-Geschichte
Ja, es war wirklich schon einige Zeit nichts
Weltbewegendes mehr passiert in
Winterkasten, speziell beim Sportverein
Winterkasten. Doch was konnte man
anstellen? Es wurde viel und lange diskutiert.
Der glorreiche Einfall kam dann dem damals
wohl begehrtesten Junggesellen des Dorfes, dem
Junggastwirt Schorsch Schneider vom Gasthaus
„Zur Traube“. Es war im Sommer bei einem
Grillabend. Wie Augenzeugen berichten, soll der
Geistesblitz dem Schorsch gekommen sein, nachdem er
etwas vom Hirn des Spanferkels genossen hatte. Jedenfalls
erinnerte er sich an eine Fernsehsendung, die einen alten schottischen
Brauch zum Gegenstand hatte. Dort werden phantasievolle Gefährte durch
die Straßen des Ortes geschoben, und es wird auch Bier in reichlichen
Mengen während der Prozedur vernichtet. „Wenn das die Schotten
können“, so meinte der Schorsch, „dann können wir Winterkäster das schon
lange!“
Die Idee war geboren und stieß auf helle Begeisterung. Fortan liefen die
Fäden im Wirtshaus beim Schorsch zusammen. In nächtelangen
Diskussionen wurde ein ausgeklügelter und tückischer Parcours
ausgearbeitet, über den die Rennscheesen bugsiert werden mussten.
Ungezwungen und locker wurde die Sache angegangen. Ein paar Tage vor
dem Kerbsonntag wurden beim Schorsch im Keller die Hindernisse
zusammengenagelt, und am Kerbsonntagmorgen wurden sie dann auf den
Sportplatz geschafft und dort parcoursgerecht aufgebaut.
Da jedoch auch Scheeserenne-Organisatoren recht
ausgiebig Kerb zu feiern pflegen, ging es an diesem
Sonntagmorgen nicht allzu früh los. Es kam sogar
erstmals so etwas ähnliches wie Hektik auf, weil man
streckenweise befürchtete, nicht rechtzeitig bis zum
Rennbeginn mit dem Aufbau fertig zu sein.
Die Winterkäster hatten in der Zeit vor dem großen
Ereignis alles getan, um die Allgemeinheit davon zu
informieren. Der Erfolg zeigte sich am Kerbsonntag.
Rennbeginn sollte um 14:00 Uhr sein. Doch schon um die
Mittagszeit setzte ein Zuschauerstrom ein, den der gute
alte Waldsportplatz noch bei keinem Fußballspiel
erlebt hatte. Auch die Augen der Organisatoren und
SVW-Funktionäre wurden groß und größer, denn
mit weit mehr als 3000 Zuschauern hatte nun
wirklich keiner gerechnet. So musste es dann
zwangsläufig dazu kommen, dass die
Organisation total überlastet war. Der
Verkehr auf den Zufahrtsstraßen kam zum
Erliegen.
Moderator Jürgen „Groschi“ Grosschmidt
nahm hoch oben, auf der Schaufel eines Radladers, seine Stellung ein.
Von dort war es für ihn dann auch eine Kleinigkeit ohne technische
Hilfsmittel, nur mit Kraft seiner Stimme, seine Durchsagen zu machen.
Nötig geworden war dieser Kraftakt, weil in der allgemeinen
Verwirrung niemand in der Lage war, die Batterien richtig in das
bereitgehaltene Megaphon einzulegen. Doch solche kleinen
Unzulänglichkeiten konnten der Bombenstimmung, die bei
Teilnehmern, Zuschauern und Offiziellen gleichermaßen herrschte, in
keiner Weise Abbruch tun. Und spätestens am Abend dieses
Kerbsonntags verstummten dann auch die letzten Spötter, die vorher
gemeint hatten, der SVW würde sich lächerlich machen und
höchstens „drauflegen“ bei diesem verrückten Unternehmen.
Mittlerweile sind 33 weitere Scheeserenne mit ähnlich großem Erfolg
und starkem Zuschauerzuspruch über die Bühne gegangen. Sogar im
Fernsehen konnte man die phantasievollen Gefährte mit ihren
wagemutigen Besatzungen beobachten. Der Termin des „Rennens“ wurde
vom Kerbsonntag in den Sommer verlegt und jeder Scheeserenne-Fan
kennt diesen Termin.
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